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Bar & Guitars – Kultur, Begegnung und Gitarrenhandwerk im Aaregg

20. Nov. 2025
4 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 21. Aug.



WIE DAS ALLES PASSIEREN KONNTE.

Das Problem: Im Aaregg fehlte schon lange ein Treffpunkt. Eine Quartierumfrage der Stadt Bern hatte genau diesen Wunsch sichtbar gemacht. Menschen wollten einen Ort, an dem man sich trifft, Kaffee trinkt, redet und andere Menschen kennenlernt.

Eine grundsätzlich überschaubare Aufgabenstellung.

Meine persönliche Lösung eskalierte etwas.


URSPRÜNGLICHER PLAN

Ich hatte zu diesem Zeitpunkt keinerlei Absicht, eine Bar zu eröffnen. Das sollte an dieser Stelle ausdrücklich festgehalten werden. Dann dachte ich darüber nach.

Etwas länger. Am Ende hatte ich ein Berner Wirtepatent. So beginnen offenbar gewisse Probleme.

Es folgten Planung, viel Eigenleistung, privates Kapital und die Unterstützung von Jungo Immobilien, der Eigentümerschaft des Gebäudes, die den Umbau von Anfang an mittrug. Aus einer Frage wurde ein Raum. Aus dem Raum wurde eine Bar. Und aus der Bar wurde mit der Zeit etwas, für das bis heute keine vernünftige Kategorie gefunden wurde.

Der damalige Name: Lo Snag Bar.

Heute:

BAR & GUITARS

Die alte Bezeichnung befindet sich weiterhin in den Akten.

100 QUADRATMETER MIT ERHÖHTEM AKTIVITÄTSAUFKOMMEN

Die offiziellen Unterlagen sind erstaunlich nüchtern: Bar, Theke, kleine Bühne, Backstage-Raum, maximal 40 Personen.

Das klingt zunächst übersichtlich.

Auf diesen 100 Quadratmetern entwickelte sich allerdings eine bemerkenswerte Konzentration unterschiedlichster Aktivitäten: Kaffee, Feierabendbier, Food-Events, Quartierfeste, Konzerte, Gespräche, Gitarren, Musiker, Nachbarn und Menschen, die nur kurz hereinschauen wollten und später immer noch da waren.

Die Stadt Bern bezeichnete den Ort später offiziell als Quartiertreff mit Bar und Bühne.

Area 45 akzeptiert diese Beschreibung. Mangels einer besseren.


DER TREFF TISCH

Von Anfang an ging es um Begegnungen. Jung und Alt, Musiker und Menschen, die mit Musik ungefähr so viel anfangen können wie eine Kaffeemaschine mit einem Gitarrensolo. Stammgäste, Zufallsbesucher, Leute aus dem Quartier und Leute von weiter weg.

Mittwochs gab es für sozial schwächer gestellte Gäste Kaffee und Tee kostenlos. Kein kompliziertes System.

Der offene «Treff Tisch», Quartierfeste und das freiwillige Engagement blieben auch der Stadt Bern nicht verborgen.


2022 WURDE DIE SACHE AMTLICH.

Die Lo Snag Bar by Bar & Guitars erhielt beim Berner Sozialpreis «freiwillig.engagiert» eine Auszeichnung. Damit existierte plötzlich ein offizielles Dokument, das bestätigte, dass hier offenbar etwas Sinnvolles passiert. Wir freuten uns riesig.

AREA 45 STATUSÄNDERUNG:

Aus einem privaten Versuch war ein ausgezeichnetes Quartierprojekt geworden.

Das war so nicht geplant.

Wir nahmen den Preis trotzdem.


DANN KAM DIE MUSIK

Irgendwo zwischen Kaffee, Quartiertreff und Bar stand diese kleine Bühne. Und Bühnen haben eine angenehme Eigenschaft: Irgendwann stellt sich jemand drauf.

Dann kam der Nächste. Und noch jemand. Plötzlich wurde aus einem Quartiertreff auch eine kleine Konzertlocation. Die Zahl der möglichen Abendveranstaltungen blieb begrenzt. Die Herkunft der Musiker nicht.

Auf der kleinen Bühne standen Künstlerinnen und Künstler aus der Schweiz und aus verschiedenen Teilen der Welt: Paulo Mendonça aus Schweden, Suzie Vinnick aus Kanada, Jeremy Mage aus New York und sandmoon aus dem Libanon.

Dazu Schweizer Musiker, Bands, Singer-Songwriter und Newcomer. Manche mit grosser Erfahrung, manche am Anfang. Alle auf derselben kleinen Bühne.


ABSTAND ZUR BÜHNE

In grossen Konzerthallen gibt es Absperrungen und Security.

Bei Bar & Guitars gibt es ein paar Meter.

Das verändert einen Konzertabend. Die Musiker spielen direkt vor dir. Nach dem Konzert verschwindet niemand durch einen Tunnel in einen abgeschirmten Bereich. Oft steht der Musiker, den du gerade noch auf der Bühne gesehen hast, kurz darauf neben dir an der Bar. Mehrere Gäste erzählten mir später, sie hätten Live-Musik hier zum ersten Mal wirklich intensiv erlebt. Das kann ich nachvollziehen.


DIE WIRTSCHAFTLICHE ABTEILUNG MELDETE SICH

Mit den Jahren zeigte sich auch eine weniger romantische Seite des Projekts. Ein solcher Ort braucht Zeit. Sehr viel Zeit. Er verursacht laufende Kosten.

Und braucht jemanden, der irgendwann noch schläft.

Freiwilliges Engagement hat uns weit gebracht. Also begann die nächste Phase. Der Betrieb wurde Schritt für Schritt neu ausgerichtet. Weniger klassische Bar. Mehr von dem, was hier ohnehin längst entstanden war.


BAR & GUITARS

Heute greifen mehrere Bereiche ineinander: die Bar, die kleine Stage, das Gitarrenatelier, das Recording Studio und der GuitarDoc.

Instrumente werden hier repariert, restauriert, modifiziert und manchmal komplett neu gedacht. Arbeiten, die ich seit über 40 Jahren mache, nun einfach offiziell.

Ein paar Meter weiter entstehen Aufnahmen. Bei Konzerten werden Audio und Video aufgenommen. Musiker kommen für einen Gig und stehen plötzlich im Atelier. Gitarrenkunden entdecken die Bühne. Studiogäste sitzen nach der Session an der Bar.

Und gelegentlich fährt vor dem Gebäude ein kleines Elektroauto mit einer Gitarre auf dem Dach weg.

Von aussen betrachtet ergibt das vermutlich nur bedingt Sinn.

Von innen erstaunlich viel.


EIN NAME FÜR DAS GANZE

Unter Bar & Guitars liefen die offiziellen und bürokratischen Dinge schon seit Anfang. Öffentlich stand der Name allerdings kaum im Vordergrund.

Die Lo Snag Bar hatte ihren eigenen Namen. Das Atelier ebenfalls: Birrd Guitars.

Mit der Zeit wurden die Grenzen zwischen den einzelnen Bereichen sowieso immer durchlässiger. Bar, Bühne, Atelier, Recording und GuitarDoc gehörten längst zusammen.

Also bekam das Ganze den Namen, der eigentlich schon die ganze Zeit da war:


BAR & GUITARS

Lo Snag Bar bleibt ein Teil der Geschichte. Birrd Guitars bleibt als Marke für meine Eigenbauten und Unikate bestehen.

Und irgendwo während dieser Entwicklung tauchte noch eine weitere Bezeichnung auf:

Area 45.

Die 45 ist übrigens keine geheimnisvolle militärische Kennzahl. Sie stammt vom Oberen Aareggweg 45. Das Geheimnis wäre damit gelüftet.

Bitte behandle diese Information weiterhin vertraulich.


AREA 45 – URSPRUNSAKTE

Aktenzeichen: 45-0

Projektbeginn: 2018

Ursprünglicher Auftrag: Treffpunkt schaffen

Ergebnis: Leicht umfangreicher

Fläche: 100 m²

Maximale Belegung: 40 Personen

Bar: Vorhanden

Stage: Vorhanden

Backstage: Vorhanden

Gitarrenatelier: Vorhanden

Recording Studio: Vorhanden

GuitarDoc: Vorhanden

Elektrofahrzeug mit Gitarre auf dem Dach: Selbstverständlich vorhanden

Berner Sozialpreis: 2022

Internationale Künstler: Mehrfach gesichtet

Weitere Ideen: Unter Beobachtung


AKTUELLER STATUS

Die ursprüngliche Frage von 2018 lautete:

Wie schafft man einen Ort, an dem sich Menschen begegnen?

Die Antwort steht heute am Oberen Aareggweg 45. Sie wurde im Laufe der Jahre lediglich etwas grösser als vorgesehen.











 
 
 

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