Auf dem Floss im Fluss Basel: Acht Kameras und kein REC
Aktualisiert: 21. Aug.
EINE STUNDE. KEINE MINUTE MEHR.
Es gibt Bühnen. Und es gibt Bühnen, zu denen man mit dem Boot fährt.
FLOSS Festival Basel. Mitten auf dem Rhein. Früher hiess das Festival ImFluss. Das Prinzip blieb erfreulich ungewöhnlich: Bühne aufs Wasser, Bands drauf, Publikum ans Ufer. Ich war an diesem Abend als Guitar Tech für eine Band dabei. Die behördliche Ausgangslage war klar:
Soundcheck: 30 Minuten. Spielzeit: 60 Minuten. Verhandlungsspielraum: 0 Minuten.
Area 45 mag klare Ansagen.

ANREISE ÜBER WASSER
Schon der Weg zur Arbeit war speziell.
Equipment einladen. Gitarren. Cases. Gear. Dann alles auf ein kleines Boot und rüber zum Floss. Einen bequemeren Bühneneingang kann man sich vorstellen.
Einen cooleren kaum. Die gesamte Ausrüstung erreichte das Ziel vollständig.
Der GuitarDoc ebenfalls. Damit waren die einfachen Aufgaben des Tages erledigt.
SOUND CHECK
Bei der Ankunft wurde schnell klar: Das wird sportlich.
Die Sonne brannte runter. Für den Soundcheck war kaum etwas bereit. Einiges funktionierte noch nicht und die beiden Technik-Crews hatten ordentlich zu tun.
Dann verweigerte das Mikrofon des Sängers die Zusammenarbeit. Komplett.
Fehlersuche. Kabel. Technik. Hektik. Weitere Fehlersuche. Das Mikro schwieg.
Der Timer nicht. Irgendwann wurde die Ursache gefunden.
Ein Kabel war nicht eingesteckt. Technisch gesehen ein überschaubares Problem.
Zeitlich gesehen inzwischen ein ausgewachsenes. Dann waren die 30 Minuten vorbei.
ERGEBNIS DES SOUNDCHECKS:
Null.Nix.Nada.
Der Soundcheck hatte gegen 18 Uhr begonnen. Konzertbeginn: 21 Uhr.
Damit blieben drei Stunden, um beim Einstieg ins Konzert einen Soundcheck nachzuholen. Area 45 führt solche Situationen unter:
„Interessant.“
DANN MISCHTE SICH DER RHEIN EIN
Während die Technik-Crews und die eigenen Leute versuchten, alles für den Abend hinzubekommen, kümmerte sich eine weitere Abteilung um zusätzliche Heraus-forderungen. Das Wetter. Tagsüber warm. Später deutlich kühler. Dazu feuchte Luft direkt über dem Rhein. Gitarren finden solche Bedingungen hervorragend.
Zum Verstimmen.
Vor dem Gig hatte ich entsprechend Beschäftigung. Stimmen. Kontrollieren. Nochmals stimmen. Warten. Nochmals kontrollieren. Gefühlt konnte man die Instrumente schief anschauen und schon verabschiedete sich die nächste Saite aus dem vorgesehenen Frequenzbereich. Besonders die 12-Saiter meldete erhöhten Betreuungsbedarf an.
Perfekt.
Solche Challenges liebe ich.
21:00 UHR
Der Gig musste starten. Also wurde der fehlende Soundcheck kurzerhand in das Konzert integriert. Eine effiziente Lösung. Auch eine mutige. Aber auch die einzige. Es klappte.
Fast alles. Dazu später.
OPERATION GITARRENWECHSEL
Meine Hauptaufgabe während des Konzerts war exakt getaktet. Der Gitarrist und Sänger wechselte praktisch nach jedem Song die Gitarre. Das hatten wir vorher durchgespielt. Immer wieder. Wir waren eingespielt. Letzter Ton klingt aus.
Ich stehe mit der nächsten Gitarre bereit. Alte weg. Kabel raus. Neue ran. Gurt über die Schulter. Kabel rein. Kurzer Check. Weiter. Keine Diskussion. Keine Suche. Kein „Wo ist eigentlich die andere Gitarre?“ Es lief richtig smooth. Und jeder gewonnene Augenblick zählte. Denn über allem schwebte weiterhin die wichtigste Vorschrift des Abends:
60 Minuten. Keine Minute mehr.
Unsere Wechsel waren am Ende schnell genug, um tatsächlich Zeit herauszuholen.
Genug Zeit für einen zusätzlichen Song.
MISSIONSSTATUS:
Zusätzlicher Song ermöglicht.
Guitar Tech zufrieden. Musiker zufrieden. Area 45 vermerkt:
Zeit erfolgreich manipuliert.
DOKUMENTATION DES EINSATZES
Auch filmisch wurde von der Band aus ordentlich aufgefahren. Schliesslich wollte man ein paar YouTube Vids generieren. Rund acht Kameras waren auf und um das Floss verteilt. Und ich bekam eine Bodycam. Die Gitarrenwechsel direkt aus meiner Perspektive. Mitten im Geschehen. Boot. Bühne. Publikum. Gitarren. Wechsel. Konzert. Das komplette Ding. Auf dieses Material war ich wirklich gespannt.
Top Location. Top Musiker. Acht Kameras. Bodycam. Konzert durch. Mission erfüllt.
Dann kam die Nachricht. Der Soundtechniker hatte vergessen, die Aufnahme zu starten.




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